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Archive for Juli 2009

Lieber Herr Ex-Staatssekretär,

damals, als dieses Blog noch bei twoday.net lief, schrieb ich Ihnen schon einmal einen offenen Brief — damals anlässlich Ihrer Ernennung. Ich nehme an, Sie erinnern sich nicht. Gut so, der Brief war ziemlich unfreundlich.

Gestern habe ich Sie mal wieder gesehen, ich habe Sie eine knappe Stunde beobachten können, ohne dass Sie mich bemerkt hätten. Das fand ich sehr angenehmn, weil ich Sie im Visier behalten konnte und Sie sich so benahmen, wie Sie sich benehmen, wenn Sie glauben, gerade mal nicht beobachtet zu werden. Um ehrlich zu sein: Es war eine sehr eigenartige Mischung aus Mitleid und aus Abgestoßensein, als ich Sie da sitzen sah. Vor drei Jahren war das anders, ich fand es einfach nur affig, wie Sie sich mit Mitte 30 aufplusterten, nachdem Sie via Regionalproporz ins Kabinett gerutscht waren. Jetzt, mit noch nicht mal 40 (oder vielleicht gerade mal 40, so genau weiß ich das nicht), haben Sie bereits ein „Ex“ vor dem Staatssekretär stehen und sehen auch sonst sehr nach professionellem Politiker-Leben aus. Ihr Gesicht ist zu einer Maske erstarrt, die wahlweise in die verschiedenen, situationsbedingten Varianten abgerufen werden kann. Sie können roboterhaft freundlich, angestrengt, interessiert und volkstümlich schauen.

Das Schlimme daran ist allerdings nicht, dass Ihre Frisur inzwischen auch wie ein Stahlhelm ausschaut und Unmengen von Haarspray in sich aufnimmt. Schlimm ist, dass Sie und Ihre Kaste, die letztendlich dieses Land dann doch irgendwie, nunja, regieren, vom wahren Leben keine Ahnung haben. Sie kommen aus Ortsvereins-Kulturen, aus der Diktatur des Parteipparats, aus dem Zwang, sich hochzudienen, irgendwelche merkwürdigen Verhaltens-Codes zu verinnerlichen. Sie waren vorher Lehrer oder Beamter (in Ihrem Fall: beides) und Sie sind getrieben von einer Art Brutalexistenzängstlerum. Sie wollen Ihr bisschen Macht gerne erhalten, aber Sie wisssen auch, dass die Macht so schnell genommen wird wie sie gegeben wird. Wer, wenn nicht Sie, wüsste das besser? Sie waren Staatssekretär mit Mitte 30, Sie sind jetzt wieder einfacher Abgeordneter, warum, das wissen Sie besser als ich.

Wissen Sie, man hat Ihnen das gestern angesehen. Sie sind ziemlich gezeichnet. Man sieht Ihrem Gesicht an, dass Sie diesen brutalen Entzug von Dienstwagen, Ehrengästedasein und Kabinettssitzungen bis heute weder verstanden noch verwunden haben. Gefühlt sind Sie immer noch der Staatsekretär. Sie haben sich mit Gier auf Ihr Handy gestürzt, als Sie endlich jemand angerufen hat. Sie haben sich immer noch aufgebrezelt wie früher, der selbe Anzug, die Akten auf den Knien. Sie haben sich benommen wie jemand, der nach 40 Jahren seinen Job verliert, sich aber dennoch jeden Morgen anzieht und zur Arbeit fährt. Der Phantomschmerz sitzt ziemlich tief bei Ihnen, würde ich wetten.

Lieber Herr Ex-Staatssekreträr, wenn ich Ihnen was wünschen dürfte: Ich würde Ihnen wünschen, dass Sie einfach mal zu leben anfangen.

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Der Tag danach

Man bekommt eine Ahnung, wie es irgendwie nach schweren Unwettern andernorts ausgesehen hben muss, wenn man heute durch Niederbayern fährt. Die Bäume sehen aus wie von einer Heuschreckenplage heimgesucht (ausnahmsweise war das jetzt kein Schlenker gegen das Investorengesocks), die Äpfel an den Bäumen modern vor sich hin, weil sie aussehen wie mit Maschinengewehren beschossen, Äste auf der Straße, kurzum: ziemlich heftig, das. Dabei hatte es doch gerade mal zehn Minuten gehagelt, das aber kräftig. Ich weiß nicht, ob ich schon mal solche Körner gesehen habe. Die meisten mosern, ich fand das Spektakel aller Ehren wert.

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Tunesweg

Gelegentlich gehört mein iTunes zu den letzten ungelösten Rätseln der Welt. Wo zur Hölle sind meine gestern frischgekauften Dateien hin entschwunden??

PS: Update, drei Minuten später. Auf der mobilen Festplatte, alter Schussel. Datenhaltung auf diversen Rechnern ist echt ein hartes Brot.

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Hach ja. Seufz. Großartig, seit 25 Jahren schon. Keine Ahnung, wo meine Faszination dafür herkommt,die ist halt einfach da.

Und jetzt ratet mal, wo ich dabei werde:

Wie, Ihr versteht nicht warum?, Na, weil´s einfach die geilstmögliche Party ist. Ich bin jetzt schon ganz hibbelig;

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The Sideman

Das erste Mal wirklich verblüfft war ich über das Leben dieses Menschen, als ich ein Buch von ihm las: Es heißt „Warum spielst du Imagine nicht auf dem weißen Klavier, John?“. Darin erzählt Klaus Voormann sein Leben, und wüsste man es nicht besser, würde man applaudieren und sagen: schön erfunden.

Klaus Voormann ist gelernter Künstler und autodidaktischer Bassist, spielt aber gleichzeitig Klavier bis zur Konzertreife. Anfang der 60er Jahre traf er zufällig in Hamburg ein paar anscheinend begabte britische Musiker und begleitete sie durch ihr ganzes Leben. Er zeichnete für eines ihrer bekanntesten Alben („Revolver“) nebenher das Cover, es ist inzwischen eines der berühmtesten der Geschichte geworden. Den Einstieg bei den „Beatles“ sagte Klaus Voormann allerdings schon vorher ab, er fand sich als Bassist nicht gut genug, woraufhin den Job ein gewisser Paul McCartney fest übernahm. Er spielte nebenher bei John Lennons Plastic Ono Band mit, produzierte einige gr0ße Bands, entdeckte nebenher „Trio“ (kein Witz) und wurde 1974 gefragt, ob er Bassist bei einer neuen Band mitspielen wolle. Voormann sagte mal wieder ab, ist aber den Jungs von „Foreigner“ heute noch freundschaftlich verbunden.

Jetzt ist Voormann 70, lebt am Starnberger See, ist nie richtig reich geworden und vielleicht dennoch der berühmteste Sideman der Musikgeschichte. Zu seinem runden Geburtstag hat er nochmal ein paar alte Freunde abkeklappert und mit ihnen Songs aufgenommen, die ihnen gemeinsam etwas bedeuten. Platte (jawoll, Platte!) liegt jetzt hier bei mir und ich höre sie mit einer Mischung aus nostalgischer Wonne und leiser Melancholie, weil man ja irgendwie weiß, dass „The Sideman´s Journey“ vermutlich seine letzte war, die von John und George und Billy schon vorbei ist und auch Paul und all die anderen nicht ewig auf diesem Planeten stecken werden und die Beatles und all ihre wunderbare Zeit dann wirklich nur noch Geschichte und Geschichten sein werden, die man anderen erzählt, die sie aber vielleicht nie richtig verstehen werden. Wenn das mal kein Grund  zur Melancholie ist.

(Paul McCartney soll übrigens statt der eingeplanten zwei Stunden vier Stunden mit Voormann gespielt und am Ende gerufen haben: „Herrschaften, ich bin ein freier Mensch.“ An diesem Tag wurde seine Scheidung von Heather Mills rechtskräftig und es gibt Leute, die behaupten, sie hätten McCartney schon lange nicht mehr so gut aufgelegt wie während dieser vier Stunden erlet. Mein Highlight des Films ist dennoch, wie der zweite noch lebende Beatle den Raum betritt und sagt: Good morning everybody.)

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Die Abgestellten

Keine Ahnung, was mich geritten hat, dieses Buch zu kaufen. Günther Ogger war sogar mir erklärtem Baken- und Managerskeptiker immer zu platt; „Nieten in Nadelstreifen“ fand ich immer viel zu banal  und plakativ. Dummerweise habe ich nur die Marotte, mir immer an Flughäfen (manchmal auch Bahnhöfen) gerne ein Buch mitzunehmen, keine Ahnung warum. Dieses Buch habe ich in Köln am Flughafen gekauft, und eigentlich sollte doch ausgerechnet ich wissen, dass aus Köln selten was Gutes kommt.

Bei „Die Abgestellten“ geht es um einen Abgesang auf den festen Arbeitsplatz, aber nicht wie in „Wir nennen es Arbeit“ um den Abschied einer bestimmten Lebenseinstellung oder Grundhaltung, sondern generell um dasd Verschwinden von Arbeitsplätzen. Unfassbar: Ogger kann noch mehr pauschalisieren als ich! Deswegen muss man das nicht lesen (von wenigen ganz amüsanten Seiten abgesehen), außer man mag es, knapp 200 Seiten wohlklingenden Wortgeklingel zu konsumieren. „Der Turm“ zu groß, die „Abgestellten“ zu trivial — bin gespannt, wann ich mal wieder ein Buch erwische, das ich wirklich mag.

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Franz Ferdinand

Es  nimmt bedenkliche Züge an mit Franz Ferdinand und mir: Die Dub-Mixes-Platte („Blood“) gekauft und die iTunes-Festival-Live-Platte auch. Wenn ich gedubte Remixes und Livealben mit gerade mal sechs Tracks kaufe, ist das gefährlich. Das habe ich zum letzten Mal irgendwann in den 80ern gemacht und da gab´s noch gar keine Dubs.

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