Vermutlich bin ich für wirklich große Literatur einfach nicht geboren. Wochenlang habe ich mich jetzt durch „Der Turm“ von Uwe Tellenkamp durchgequält, nahezu tausend überall hochgelobte Seiten, nach denen man angeblich verstanden haben sollte, wie die DDR in den letzten Jahren ihres Jahrzehnts getickt haben soll, insbesondere in ihren halbbürgerlich-akademischen Milleus. Nach 200 Seiten habe ich zum ersten Mal geschaut, wie viele Seiten das Ding insgesamt jetzt eigentlich hat, nach 500 Seiten war es eine Qual. Ich frage mich in solchen Momenten ja immer, warum es offensichtlich ein Naturgesetz ist, nach dem große Literatur immer erst ab 1000 Seiten groß wird. Dem Hang zur Ausführlichkeit verstehe ich aber auch andernorts nicht immer. Ich bewundere ja Leute, die in ihren Blogeinträgen unendlich lange epische Ausführungen veröffentlichen; ich selber weiß nicht, ob mir zu jedem Thema immer gleich so ein Wortschwall einfiele. Berufsbedingt denke ich mir beim Lesen solcher Monologe immer: Das ginge doch auch kürzer.
Dummerweise ging es mir auch bei Tellenkamp so. Persönliches Fazit am Ende war, dass man die 1000 Seiten locker hätte auf 500 kürzen können, aber das ist vermutlich kein wirkliches Kriterium, wenn es um Literatur geht. Zumal richtige Kritiker geschrieben hatten, dass bisher selten ein deutscher Autor so viel gewagt habe (was immer das heißen soll). Das muss man vermutlich wenigstens beeindruckend finden.
Und was nehmen wir daraus mit? Vorerst keine Bücher mehr lesen, denen die „SZ“ einen ganzen Leitartikel widmet. Darüber, wie die DDR im Endstadium tickte, weiß ich jetzt auch nicht mehr als vorher.